Januar Special - Atemwege

Anatomie muss sein

Ein Blick auf die anatomischen Besonderheiten mildert eine solche Diagnose zwar nicht ab, macht sie aber verständlicher. Nur, wer die Vorgänge im Organismus kennt, ist auch in der Lage, für Abhilfe bzw. Linderung zu sorgen und sich und seinem Vierbeiner ein Höchstmaß an Lebensqualität zu offerieren. Im Idealfall können Atemwegserkrankungen bereits im Keim erstickt werden.


Ziemlich langer Atem

Fast 2 Meter muss die aufgenommene Atemluft zurücklegen, bis sie die Lunge des Pferdes erreicht hat. Endlich dort angekommen kann der Sauerstoff aus der Atemluft gegen das Kohlendioxid aus dem Zellstoffwechsel ausgetauscht werden.

Die Atmung steht zudem in enger Verbindung zum Herz-Kreislauf-System. Die Atmungsorange sind aber nicht nur für die Sauerstoffversorgung des Organismus zuständig, sondern auch als Sinnesorgan von großer Wichtigkeit. Sie nehmen Riechstoffe auf und stellen somit einen wichtigen Part bei der Informationsübermittlung dar.

Auch bei der Regulation des Wärme- und Wasserhaushalts, sowie des Säure-Basen-Haushalts im equinen Organismus sind die Atmungsorgane (Lunge) beteiligt. Gerät hier etwas aus dem Lot, bringt es den ganzen Körper durcheinander!  


Geteilte Arbeitsbereiche

Aufgrund ihrer Komplexität und der unterschiedlichen Aufgabenbereiche werden die an der Atmung beteiligten Organe in luftleitende und gasaustauschende Organe unterteilt.

Die luftleitenden Organe sind, wie der Name schon verrät, für die Weiterleitung der eingeatmeten Luft zuständig. Hierzu zählen Nasenhöhle und Nasenrachen, Kehlkopf, Luftröhre und die Bronchien. Sie alle sind dafür verantwortlich, dass der Transport der Luft, sowohl zum als auch vom gasaustauschenden Organ, der Lunge, reibungslos abläuft.

Dass auf diesem langen Weg und unter Beteiligung diverser Körperbereiche so einiges schiefgehen kann, ist nicht sonderlich verwunderbar.


Von der Nase durchs Nadelöhr bis in die Lunge

Zunächst führt der Weg der Atemluft von den Nüstern in die Nasenhöhlen. Die beiden Nasenhöhlen münden anschließend gemeinsam in den oberen Teil der Schlundkopfhöhle, in den sogenannten Nasenrachen.

Von hier aus geht es mit der schon von groben Partikel vorgereinigten, angefeuchteten und angewärmten Atemluft weiter durch den Schlundkopf in den Kehlkopf. Hier quetscht sich die Luft wie durch eine Sanduhr in den ersten Abschnitt der „tieferen Atemwege“  - die Luftröhre.

Ist auch diese Strecke geschafft, gabelt sich die Luftröhre in die Bronchien, die durch kleinste Verästelungen die Verteilung der Atemluft in die einzelnen Abschnitte der Lunge übernehmen.


Ausgeklügeltes Schutzsystem

Damit die Lunge frei von feinsten Partikelchen bleibt, die überall in der Atemluft vorhanden sind, obliegt die „Feinfilterung“ der eingeatmeten Luft der Luftröhre und den Bronchien.

Des Rätsels körperlicher Lösung hierfür sind neben einer schleimigen Auskleidung die kleinen Flimmerhärchen, die sich wellenartig bewegen und für einen steten Flüssigkeitsstrom Richtung „Ausgang“ sorgen.

Sind sie gestört, zum Beispiel durch ein Absterben oder eine Lähmung, ist auch die Reinigungsfunktion nicht mehr gewährleistet und die Beförderung von Fremdstoffen hakt. Gleichzeitig erhöht die Lunge ihre Schutzfunktion, indem die Becherzellen vermehrt dünnflüssigen Schleim zur Reinigung produzieren.

So von Schleim eingehüllt werden die eingedrungenen Bestandteile mittels Husten zum Ausgang transportiert. Der Hustenreflex ist also eine wirklich sinnvolle Erfindung des Organismus. Gleichzeitig ist er ein elementarer Bestandteil des gesamten Schutzsystems, um Eindringlinge in oberen und unteren Atemwegen wieder loszuwerden.


Von der Lähmung …

Sind die Flimmerhärchen der Atemwege gelähmt oder gar abgestorben, kann das verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel bakterielle, virale oder parasitäre Infektionen, Allergien oder das stetige Einatmen  kontaminierter (mit Staub, Schimmelsporen, Ammoniak, etc.) Atemluft.

Obwohl die Ursachen unterschiedlichster Genese sein können, bleiben Symptomatik und Verlauf meistens gleich!

Zunächst tritt eine Lähmung der Flimmerhärchen ein. Die Lunge verstärkt ihre Schutzfunktion durch die Produktion von extra viel Schleim. Durch das Abhusten des Schleims wird versucht, die mangelnde Schutzwirkung der gelähmten Flimmerhärchen zu kompensieren und die Schadstoffe auf diesem Wege wieder loszuwerden.

Wird jetzt eingegriffen und zum einen die Ursache beseitigt, zum anderen der Abtransport unterstützt, kann der weitere Verlauf der Schädigung noch aufgehalten werden.


… bis zum Tod

Ohne Eingreifen sterben die Flimmerhärchen nach und nach ab. Die Schleimhäute verdicken sich und verengt so die Atemwege. Das erschwert die Atmung und die körperliche Belastungsfähigkeit des tierischen Patienten wird deutlich eingeschränkt.

Zwar kann das Absterben aufgehalten und die Symptome gelindert werden, abgestorbene Flimmerhärchen können aber nicht ersetzt werden.

Eine Heilung in diesem Stadium einer Atemwegserkrankung ist nicht möglich!  


Pferdeatmung in Zahlen

Im Ruhezustand atmet ein ausgewachsenes Pferd rund 8 bis 16 Mal pro Minute.

Das Atemzugvolumen, also die Luftmenge, die pro Atemzug eingeatmet wird, beträgt dabei etwa 5 Liter -10 Liter mehr als beim Menschen.

Bei körperlicher Anstrengung kann die Atemfrequenz auf bis zu 130 Atemzüge pro Minute ansteigen, was auch das Atemvolumen entsprechend erhöht.

Im Galopp ist die Atemfrequenz an die einzelnen Galoppsprünge gekoppelt. Pro Galoppsprung wird einmal ein und aus geatmet.

Bei  Fohlen ist die Atmung deutlich schneller, die kleinen Equiden bringen es in Ruhe auf 24-30 Atemzüge in der Minute.

Bemerkenswert ist übrigens auch die Luftröhre. Sie besteht aus einem etwa einen Meter langen Rohr, das von ca. 50 Knorpelspangen in Form gehalten wird und vom Hals bis zur Gabelung in die Bronchien reicht.

Übrigens! Die Lungenoberfläche ist genauso groß, wie eine stattliche Eigentumswohnung. Rund 100 Quadratmeter misst die Oberfläche, wenn man alle Lungenbläschen ausbreiten würde.  


Atemwegserkrankungen behandeln

Die Behandlung von Atemwegserkrankungen beim Pferd besteht in erster Linie darin, den Auslöser abzustellen und die Symptome zu lindern!

Bei viralen oder parasitären Infekten, die zu einer Atemwegsproblematik geführt haben, ist das durch entsprechende Medikation in der Regel ohne größere Probleme möglich.

Deutlich schwieriger ist es, nicht zuletzt durch die heutigen Nutzungs- und Haltungsbedingungen, den empfindlichen Atemwegen des Frischlufttieres Pferd überhaupt auf Dauer gerecht zu werden.


Ursache abstellen – manchmal unmöglich

Nahezu unmöglich erscheint in diesem Zusammenhang das gänzliche Abstellen von Auslösern bei allergisch bedingten Atemwegserkrankungen.

Zum einen muss der Auslöser erst einmal überhaupt erkannt werden, zum anderen lässt er sich in vielen Fällen nicht gänzlich abstellen. Alleine das weitestgehende Meiden von Auslösern erfordert einen immensen Aufwand hinsichtlich Haltung, Pflege und Fütterung des Pferdes. Wobei das Wässern von Heu und der Verzicht auf Kraftfutter und Hafer noch eine der einfacheren Aufgabe für den betroffenen Pferdehalter darstellt.

Tägliche Inhalationen, Lungenspülungen und die ganzjährige Haltung im Freien gestalten sich da schon wesentlich schwieriger und sind in vielen Fällen gar nicht durchführbar.


Symptome lindern – Atemwege unterstützen

Neben dem Abstellen der Ursache für die Atemwegserkrankung sind eine Linderung der Symptome und eine möglichst konsequente Unterstützung der Atemwege durch entsprechende Präparate in der Regel immer gegeben und hilfreich.

Die Atemmuskulatur entspannende, beruhigende, schleimlösende, reizhemmende und die Bronchien erweiternde Präparate sorgen für ein Mehr an Luft. Dabei muss nicht immer die Chemiekeule zum Einsatz kommen!

Mutter Natur hält ebenfalls ein ganzes Arsenal zur Unterstützung der Atemwege bereit. Kräuter und Co. glänzen dabei vielfach durch eine bessere Verträglichkeit, weniger Nebenwirkungen und müssen sich hinsichtlich ihrer Wirkkraft trotzdem nicht hinter chemischen Präparaten verstecken.


Ganzkörperintervention

Weit oben auf der Prioritätenliste von atemwegserkrankten Pferden steht außerdem das Streben nach einem Höchstmaß frischer Atemluft mit entsprechender (kontrollierter) Bewegung. Sie verbessert nicht nur die Leistungsfähigkeit des Pferdes im Allgemeinen, sondern regt auch die Durchblutung der Lunge an.

Die Unterstützung des Immunsystems durch eine pferdegerechte Ernährung komplettiert das Gesamtkonzept dann nochmals und beugt außerdem Sekundärinfektionen sinnvoll vor. 




Folgende Welldina Produkte wurden eigens für Pferde mit Atemwegsproblemen und zur Pflege der Atemwege entwickelt:

Pulmo Vital gel - gelförmiges Kräuterextrakt

Pulmo Vital gran - granulierte Kräutermischung


Dazu passt:

Hämo top - für ein starkes Immunsystem

 
 
 
 

Kommentar schreiben

Captcha
 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.